
Liebesgeschichte
Donnerstag, 15:11 Uhr
Ich drehte mich Hilfe suchend um, was war nur los? Wo war ich? Plötzlich hörte ich Stimmen die meiner Meinung nach, von sehr weit oben erklangen:“ Emilia, wo bist du? Hast du dich verletzt? Bitte sag’ doch was! Emiliaaa?! Ach, das war nur meine überaus psychopatische Freundin Sonja, doch dank ihr wusste ich nun wieder wo ich war: auf der Piste! Achja, eine Woche Klassenfahrt.
Donnerstag, 16:02 Uhr
Nun saß ich in der Hütte (nahe der Skipiste) und trank sehr benebelt meine heiße Schokolade. Ich wurde nach meiner Flugrolle den Hang hinab, quasi durchlöchert mit Fragen, ob es mir doch gut ginge. Doch irgendwie fand ich es ganz süß das meine Fünfertruppe sich jetzt die Zeit nahm, mich wieder aufzupeppen, obwohl die eigentlich hätten Ski fahren können. Mein Schwarm Timo, den ich beim Singstar spielen kennengelernt hatte, saß auch dort drüben und hing über einem Kaffee mit seinen Kumpels. Wie peinlich es doch war, als ich ihn so bekloppt nach meinem Unfall anstarrte, doch was tat er gerade? Er schlenderte doch nicht tatsächlich zu mir rüber?! Keine Frage ich musste mir eine Gehirnerschütterung zugezogen haben.
Donnerstag, spät nachmittags
Wie zuckersüß er mich anlächelte, war kaum zu glauben. Ich musste in meinem Gehirn nach Gesprächsstoff graben, da ich doch noch sehr unerfahren in Richtung Jungs bin und meist, sobald mich ein süßer Typ anlächelte, einen purpurroten Kopf zu bekommen schien. Doch er schlenderte nicht so lässig zu mir rüber sondern zu meiner Freundin, Lale. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Lale?! Lale ist die angesagteste und dazu auch noch hübscheste aus meinem gesamtem Bekanntenkreis. War doch klar! (Einen riesigen Busen hatte sie natürlich, wie es normalerweise überall und in jedem Film vorkommt, im Besitz.)
Freitag, 3:23 Uhr
Ich liebe doch meine einfallsreichen Geistesblitze. Einer von denen kam mir vor ca. 5 Minuten durch den Kopf geschossen: Rede Lale doch einfach Timo aus, Emilia! Ich war mir hundertprozentig sicher, dass Lale ihn doch bestimmt auch ganz attraktiv fände. Sie glotzte ja schon bei Singstar so blöd zu ihm rüber und als ICH dann noch mit ihm ins Gespräch kam, stand ihre Wut ihr ganz groß ins Gesicht geschrieben. Warum mache ich eigentlich so ein Theater? Ich weiß doch gar nicht was Timo überhaupt mit ihr bequatscht hat. Vielleicht hat er sich ja nach mir erkundigt und hat Lale das gefragt, weil ich doch so benebelt über meiner heißen Schokolade hing. „Genau, das war es!“, murmelte ich vor mich hin. „Was war es?“, hörte ich es rechts von mir säuseln. „Ähh… nichts, du bist wach?“, faselte ich und bekam auch sofort eine Antwort: „Durch dein Gemurmel und hin und her Gewälze.“ Oh nein, so ein Mist. Ich hatte Sonja geweckt und die hielt mich jetzt bestimmt die ganze Nacht auf trapp. Sie ist zwar meine beste Freundin und so aber sie kann auch echt nerven. Schnell belaberte ich sie, dass ich jetzt meinen Schlaf brauchte und schlief dann wirklich wunderlich schnell ein!
Freitag, 8:00 Uhr
Beim Frühstück versammelte sich immer die gesamte Jugendherberge inklusive Timo und seinen ganzen Kumpels, die schon eine Klasse über uns und aufs benachbarte Gymnasium gingen. Ich linste anscheinend auffällig zu den Jungs, als mich plötzlich Lale anquatschte: „Warum glotzt du denn so zu Timo und den Jungs rüber? Gefallen sie dir oder was?“ und dabei grinste sie so doof, dass ich ihr fast eine rein gehauen hätte. „Nee, nur einer von denen hat voll Nutella an der Nase, wieso fällt dir das denn nicht auf? Am dümmsten ist dieser Timo, man ist der ein Macker! So was mag ich gar nicht, du etwa?“, Stellte ich ihr jetzt ganz offensichtlich als Frage. Darauf fing sie nur an zu stottern:“ Och… ich find den ganz okay. Als er mich gestern angesprochen hatte schien er ganz nett zu sein, und schlecht sieht er nun wirklich nicht aus.“ Mist, Mist, Mist dass hätte ich mir ja denken können, dass die mir wieder solche Antworten ablieferte. Wie soll ich denn nun kontern? Sonst würde sie ja merken dass ich ein bisschen mehr für Timo empfinde als für die anderen Pfeifen. Nun mischte sich auch Sonja ins Gespräch, die uns doch tatsächlich belauscht hatte: „Also ich finde die auch nett, die sind doch eigentlich ganz nach deinem Geschmack, Emilia.“ „
„Hm... könnte ja sein... also ich weiß ja nicht.“, stotterte ich mir daher. Da ertönte zu meinem Glück unser Sportlehrer, dass sich die Klasse in zehn Minuten vor der Tür traf und wir mit dem Shuttle Bus zur Piste fuhren.
Samstag, 19:15 Uhr
Heute Abend stand wieder Singstar an und ich ergriff die Chance, mit Timo zu plaudern. Er ist so süß aber leider kam bei unserem Gespräch nicht viel herum. Ich war an der Reihe mit singen und hatte echt ein bisschen Angst, denn es waren die Solos dran und ich kam wie auch immer in der Schule, per Zufall dran. Von Silbermond „Das Beste“ musste ich dann wohl oder übel vorsingen, denn jeder kam einmal dran. Unerwartet erntete ich am Ende doch ein bisschen Applaus und verdrückte mich ganz schnell nach meinem Auftritt hinter Sonja. „Hey, das war doch super, mach dir mal keinen Kopf!“, versuchte Sonja mich zu trösten. „Du kannst gut reden, du hast eine Wunderstimme.“, erklärte ich Sonja. Ich blickte mich um und wen sah ich? Natürlich, Lale und Timo die sich anscheinend gerade weglachten, weil Timo so ein Witzbold ist. Bauschmerzen plagten mich stundenlang und dann fragte ich Sonja, ob sie mich nicht bei einem der Lehrpersonen abmelden könnte, da ich richtige Kopfschmerzen hatte. Ich wusste woher die Bauchkrämpfe kamen und darüber wollte ich jetzt gar nicht mehr nachdenken und legte mich ins weiche Bett.
Samstag, 22:30 Uhr
Es klopfte an der Zimmertür. Bestimmt Sonja um zu sehen wie es mir ginge. Gähnend öffnete ich die Tür und wer stand vor mir? Einer von Timos Kumpels namens Olli. Er war mir nie so aufgefallen, er war sehr wahrscheinlich eher einer von den schüchternen. „Ich wollte fragen wie es dir geht, nachdem Sonja dich vom Singstar spielen abgemeldet hatte, ach ja du hast echt total schön gesungen, gefällt mir!“, sprach er ganz selbstbewusst. Ich war leider eher am stottern als mit Selbstbewusstsein zu trotzen: „Äh, Dankeschön und mir eh, geht’s schon viel besser danke der Nachfrage!“ Ganz nett war der Typ. Wir unterhielten uns lange, über ganz verschiedene Dinge, sehr tiefgründig, nicht so daher geplappert und auf Macho gemacht wie Timo. Als wir es klopfen hörten verabschiedeten wir uns und er küsste mich, voll auf den Mund. Ich war wie betäubt, war das grade mein erster Kuss? Perfekt. Timo hatte ich nun voll- kommen vergessen und dachte die ganze Zeit nur an Olli.
Sonntag, 9:00 Uhr
Heute ist endlich mal Ruhe angesagt, anstatt wie jeden Tag Ski zu fahren. Nachdem ich Sonja von dem Treffen zwischen mir und Olli erzählt hatte, war sie ganz aufgeregt und hat mich alles Mögliche gefragt. Seid ihr jetzt ein Paar? Was habt ihr euch erzählt? Wie war der Kuss? Fragen über Fragen… Doch plötzlich entdeckte ich im Speisesaal Olli und strahlte direkt wie ein Honigkuchenpferd. Er schlenderte zu mir rüber und legte den Arm um mich und wir spazierten aus dem Speisesaal. Ich war glücklich wie noch nie, ein unbeschreibliches Gefühl. Ich schaute mich noch einmal um bevor wir ganz den Saal verließen, und sah Lale und die anderen einfach nur staunen. Werd doch glücklich mit Timo, Lale! Olli gehört ab nun zu mir!
von Nina, 13 Jahre
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